Ratgeber

Online-Shop erstellen lassen: System, Recht und Aufwand

Ein Online Shop lohnt sich für lokale Betriebe, wenn Sie regelmäßig versandfähige Produkte verkaufen und die Produktdaten pflegen können; sonst reichen oft Click & Collect oder ein Marktplatz. Den größten Aufwand verursachen meist nicht das System, sondern Fotos, Texte und Varianten.

Redaktion Leverkruid · Stand · 8 Min. Lesezeit

Frau prüft ein Paket mit dem Smartphone, daneben Laptop und Versandkartons

Das Wichtigste in Kürze

  • Prüfen Sie zuerst Alternativen: Click & Collect, Marktplatz oder Bestellformular können für lokale Betriebe genügen.
  • Shopify ist ein gehostetes System mit Abo, WooCommerce eine kostenlose WordPress-Erweiterung mit eigenem Hosting, Shopware ein Shopsystem für höhere Anforderungen.
  • Rechtlich zentral: Impressum, Widerrufsinformation, Gesamtpreise mit Hinweis auf Umsatzsteuer, Versandkosten und der Button „zahlungspflichtig bestellen“.
  • Versteckter Kostentreiber sind Produktdaten: Fotos, Texte, Varianten und laufende Pflege.

Wann lohnt sich ein eigener Online Shop?

Ein Online Shop lohnt sich, wenn Sie Produkte haben, die sich versenden lassen, wenn Kunden sie auch ohne Beratung vor Ort kaufen würden und wenn jemand die Produktdaten und Bestellungen dauerhaft betreut. Ist eine dieser Bedingungen unklar, lohnt zuerst der Blick auf einfachere Wege.

Für lokale Betriebe in Heidelberg und der Rhein-Neckar-Region sind drei Varianten üblich:

VariantePasst, wenn …Grenzen
Click & Collect / BestellformularKunden vor Ort abholen, Sortiment überschaubarKeine automatische Zahlung und kein Versand nötig, aber manuelle Abwicklung
MarktplatzSie schnell Reichweite brauchen und Produktdaten standardisiert sindAbhängigkeit von Regeln und Gebühren des Marktplatzes, wenig eigene Kundenbeziehung
Eigener Online ShopSie dauerhaft versenden, ein eigenes Sortiment und eigene Marke aufbauen wollenRechtliche Pflichten, Produktpflege, Versandlogistik, laufende Technik

Fragen Sie sich ehrlich: Wie viele Bestellungen pro Woche erwarte ich, wer packt sie ein, und was passiert bei Retouren? Ein Shop ohne Verpackungs- und Versandablauf ist nur eine Fassade.

Shopify oder WooCommerce? Systeme im Vergleich

Die Frage „Shopify oder WooCommerce“ ist im Kern eine Frage nach Betrieb und Betreuung, nicht nach Funktionen. Beide können einen typischen Shop für kleine Betriebe abbilden.

KriteriumShopifyWooCommerceShopware
BetriebsmodellGehostet: Software und Hosting kommen vom AnbieterSelbst gehostet: Erweiterung für WordPress, Hosting müssen Sie organisierenJe nach Variante selbst oder vom Anbieter gehostet (Einzelheiten beim Hersteller prüfen)
KostenartenMonatliches Abo je nach Tarif, Gebühren bei Drittanbieter-Zahlungsdiensten, kostenpflichtige AppsKern laut Herstellerseite kostenlos; dazu Hosting, Erweiterungen, ZahlungsgebührenLizenz- und/oder Hostingkosten je nach Modell, Entwicklungsaufwand
Technische WartungBeim AnbieterBei Ihnen oder Ihrem Dienstleister (siehe unten)Je nach Modell bei Ihnen oder beim Anbieter
AnpassbarkeitÜber Themes und Apps, begrenzt im KernSehr hoch durch WordPress-ÖkosystemHoch, eher für komplexere Anforderungen
Typisch geeignet fürKleine Händler mit wenig Technik-BetreuungBetriebe, die ohnehin WordPress nutzen oder viel Kontrolle wollenWachsende Shops mit Sonderanforderungen

Zu den Gebühren, mit Stand 28.10.2026:

  • Shopify: Die offizielle Preisseite zeigt mehrere Tarife mit Monatsabo (bei jährlicher Zahlung günstiger) und eine Gebühr für Zahlungen über Drittanbieter, die je nach Tarif abnimmt. Zusätzlich nennt sie eine befristete Einstiegsaktion. Beim Abruf zeigte die Seite Preise in einer für Deutschland unpassenden Währung; Leverkruid nennt daher keine Beträge. Prüfen Sie Tarife, Währung, Steuern und Transaktionsgebühren direkt im Shopify-Konto.
  • WooCommerce: Die Herstellerseite beschreibt WooCommerce als kostenlos nutzbar, ohne monatliches Abo. Kosten entstehen durch Hosting, einzelne Erweiterungen (oft jährlich lizenziert) und die Gebühren des gewählten Zahlungsanbieters. Beträge werden dort in US-Dollar angegeben; für Ihre Kalkulation zählen die tatsächlichen Angebote für Deutschland.
  • Shopware: Der Hersteller wurde für diesen Ratgeber nicht geprüft; fragen Sie Preis- und Betriebsmodell beim Hersteller oder einem zertifizierten Partner ab.

Eine einfache Faustregel: Wollen Sie möglichst wenig Technik verantworten, spricht vieles für ein gehostetes System. Haben Sie bereits eine WordPress-Seite und jemanden, der sie betreut, ist WooCommerce naheliegend. Zur Technikseite von WordPress siehe den Ratgeber zur Erstellung einer WordPress-Website; zur laufenden Pflege der Technik den Ratgeber zur Website-Wartung. Bei WooCommerce kommt Shop-Wartung hinzu: Sie sollte Bestellprozess und Zahlungen regelmäßig testen.

Rechtliche Pflichten in Deutschland

Dieser Abschnitt gibt einen Überblick und ist keine Rechtsberatung. Lassen Sie Texte und Abläufe vor dem Start rechtlich prüfen, etwa durch eine Anwältin oder einen Anwalt für IT-Recht oder durch einen anerkannten Rechtstexte-Anbieter.

Impressum

Nach § 5 DDG müssen geschäftsmäßige digitale Dienste bestimmte Angaben leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar halten. Dazu zählen unter anderem Name und Anschrift, Kontaktmöglichkeiten einschließlich E-Mail-Adresse, bei eingetragenen Unternehmen das Register und die Registernummer, gegebenenfalls Aufsichtsbehörde, Kammer und Berufsbezeichnung sowie die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, sofern vorhanden. Das Impressum sollte aus jeder Shopseite erreichbar sein.

Preisangaben

Die Preisangabenverordnung (PAngV) verlangt Gesamtpreise gegenüber Verbrauchern. Bei Fernabsatzverträgen, also im Online Shop, muss nach § 6 PAngV angegeben werden, dass die Preise Umsatzsteuer und sonstige Preisbestandteile enthalten, und ob Liefer- oder Versandkosten zusätzlich anfallen. Lassen sich diese vorab berechnen, ist ihre Höhe anzugeben. Für bestimmte Waren, die nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkauft werden, kommt nach § 4 PAngV der Grundpreis hinzu, mit Ausnahmen etwa für sehr kleine Füllmengen.

Widerruf

Verbrauchern steht bei Fernabsatzverträgen grundsätzlich ein Widerrufsrecht zu (§ 312g Abs. 1 BGB). Abs. 2 nennt Ausnahmen, darunter nach Kundenspezifikation gefertigte Waren, schnell verderbliche Waren und versiegelte Waren, die aus Gesundheits- oder Hygienegründen nicht zur Rückgabe geeignet sind, sobald die Versiegelung entfernt wurde. Welche davon Ihr Sortiment betrifft, muss konkret geprüft werden. Die Widerrufsinformation selbst sollte vor Vertragsschluss bereitstehen; den Text liefern Rechtstexte-Anbieter oder Ihre rechtliche Beratung.

Bestellprozess und Button-Lösung

§ 312j BGB regelt den Ablauf des Bestellprozesses:

  • Spätestens bei Beginn des Bestellvorgangs muss klar und deutlich stehen, ob Lieferbeschränkungen gelten und welche Zahlungsmittel akzeptiert werden (Abs. 1).
  • Unmittelbar vor der Bestellung müssen die in Art. 246a § 1 EGBGB genannten Informationen klar, verständlich und hervorgehoben bereitgestellt werden (Abs. 2).
  • Der Bestell-Button darf nach Abs. 3 nur mit den Worten „zahlungspflichtig bestellen“ oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung beschriftet sein. Erfüllt er das nicht, kommt der Vertrag nach Abs. 4 nicht zustande.

Prüfen Sie nach jedem Theme- oder Plugin-Update, ob der Button-Text unverändert ist. Bei einigen Systemen lässt sich der Text standardmäßig anpassen, bei anderen nicht; testen Sie den Checkout, bevor Sie live gehen.

AGB und Datenschutz

AGB sind nicht in jedem Fall zwingend, aber üblich. Sie sollten zum Shop passen und nicht aus beliebigen Vorlagen übernommen werden. Die Datenschutzerklärung muss dagegen zu den tatsächlich eingesetzten Diensten passen: Zahlungsanbieter, Versanddienstleister, Newsletter, Analyse, Kundenkonto, Cookies. Jede neue App im Shop kann die Erklärung verändern. Gehen Sie Ihre eingesetzten Dienste vor dem Start einmal vollständig durch und klären Sie bei Bedarf mit Ihrer Datenschutzberatung, ob Auftragsverarbeitungsverträge nötig sind.

Zahlung und Versand einrichten

Zahlungsarten: Üblich sind Kreditkarte, PayPal, Lastschrift, Rechnung oder Vorkasse. Jede Zahlungsart hat eigene Gebühren, eigene Prüfverfahren und eigene Ausfallrisiken. Beginnen Sie mit zwei bis drei Zahlungsarten, die Ihre Zielgruppe tatsächlich nutzt. Die angebotenen Zahlungsmittel müssen nach § 312j Abs. 1 BGB zu Beginn des Bestellvorgangs klar erkennbar sein.

Versand: Legen Sie fest, in welche Länder Sie liefern, welche Versanddienstleister Sie nutzen, wie Sie Sperrgut und Zerbrechliches verpacken und wie Retouren laufen. Versandkosten müssen, soweit vorab berechenbar, im Bestellprozess mit Betrag angegeben werden. Planen Sie Verpackungsmaterial, Etikettendruck und einen festen Zeitpunkt für die tägliche Verpackung ein.

Steuern und Rechnungen: Klären Sie mit Ihrer Steuerberatung die Umsatzsteuer, Rechnungsstellung und gegebenenfalls Regeln für Lieferungen ins EU-Ausland.

Der versteckte Kostentreiber: Produktdaten

Beim Angebotsvergleich für einen Online Shop fällt meist das System ins Auge. Der Aufwand liegt jedoch häufig in den Produkten:

  • Fotos: Freisteller, Detailbilder, Größenvergleich. Pro Produkt mehrere Aufnahmen.
  • Texte: Beschreibung, Maße, Material, Pflegehinweise, Hinweise, die zu den rechtlichen Pflichten gehören.
  • Varianten: Größe, Farbe, Menge; jede Variante braucht Bestand, Preis und gegebenenfalls eigenes Foto.
  • Pflege: Bestandsabgleich, Preisänderungen, Saisonwechsel, Auslaufartikel.

Ein Shop mit 20 Produkten und 3 Varianten pro Produkt bedeutet 60 Datensätze. Wer erst bei der Dateneingabe merkt, dass Fotos und Texte fehlen, verzögert den Start und verteuert das Projekt. Klären Sie deshalb vor Projektbeginn, wer Fotos macht, wer Texte schreibt und in welchem Format Ihre Daten vorliegen (Tabelle, Warenwirtschaft).

Schnelle Seiten sind im Shop besonders relevant, weil große Produktbilder die Ladezeit belasten. Grundlagen dazu finden Sie im Ratgeber zu den Core Web Vitals.

Online Shop erstellen lassen: Kosten nach Aufwand

Wie bei jeder Website gilt: Der Preis folgt dem Aufwand. Das allgemeine Modell dazu steht im Ratgeber Homepage erstellen lassen. Für den Shop kommen diese Posten hinzu, die Sie in Stunden schätzen und mit dem Stundensatz Ihres Anbieters multiplizieren:

  1. Konzept und Systemauswahl
  2. Einrichtung (Theme, Bezahlung, Versand, Steuern)
  3. Rechtstexte und Prüfung
  4. Produktdaten erfassen (Fotos, Texte, Varianten)
  5. Tests (Bestellung, Zahlung, Mails, Retoure)
  6. Schulung und Dokumentation

Laufende Kosten sind System (Abo oder Hosting), Zahlungsgebühren, Erweiterungen, Wartung und Ihre eigene Zeit für Bestellungen und Produktpflege. Konkrete Beträge sind je nach Umfang sehr verschieden; holen Sie mehrere Angebote mit gleichem Leistungsumfang ein.

Typische Fehler beim Start

Drei Muster tauchen bei kleinen Shops immer wieder auf. Erstens wird der Shop gebaut, bevor Produktdaten vorliegen; der Starttermin rutscht dann Woche für Woche. Zweitens werden rechtliche Texte aus fremden Shops kopiert, obwohl Sortiment, Zahlungsarten und Versand anders sind. Drittens testet niemand den Ernstfall: eine echte Bestellung, eine fehlgeschlagene Zahlung, eine Retoure. Planen Sie dafür bewusst einen halben Tag ein, am besten mit einer Person, die den Shop noch nie gesehen hat. Sie findet Hürden im Bestellprozess schneller als die Person, die ihn gebaut hat.

Launch-Checkliste

  • Impressum mit allen Pflichtangaben, aus jeder Seite erreichbar
  • Widerrufsinformation und gegebenenfalls AGB rechtlich geprüft
  • Datenschutzerklärung deckt alle eingesetzten Dienste ab
  • Preise als Gesamtpreise; Hinweis auf Umsatzsteuer und Versandkosten sichtbar
  • Grundpreise bei betroffenen Waren angegeben
  • Bestell-Button mit „zahlungspflichtig bestellen“ oder gleichwertiger Formulierung
  • Zahlungsarten und Lieferbeschränkungen vor Bestellbeginn erkennbar
  • Testbestellung mit jeder Zahlungsart; Bestätigungs-Mails kontrolliert
  • Versandprozess und Retoure praktisch durchgespielt
  • Produktfotos und -texte vollständig, Varianten und Bestände geprüft
  • Backups und Wartung geregelt, Zugangsdaten dokumentiert
  • Ladezeit auf dem Smartphone geprüft

Das Wichtigste in Kürze – und Ihr nächster Schritt

Prüfen Sie zuerst, ob Click & Collect oder ein Marktplatz Ihr Ziel schon erreicht. Wählen Sie das System nach Betreuung, nicht nach Funktionsliste. Die rechtlichen Pflichten sind überschaubar, aber verbindlich, und der Checkout muss vor dem Start getestet werden.

Nächster Schritt: Erfassen Sie in einer Tabelle Ihre ersten 20 Produkte mit Foto, Text, Preis, Gewicht und Varianten. Dabei zeigt sich in wenigen Stunden, ob Ihr Aufwand realistisch ist – und Sie haben die beste Grundlage für jedes Angebot.

Häufige Fragen

Shopify oder WooCommerce – was ist für einen kleinen Laden besser?

Das hängt von Ihrer Betreuung ab. Shopify nimmt Hosting und Technik ab und kostet laufend ein Abo plus Zahlungsgebühren. WooCommerce hat keine Lizenzgebühr für den Kern, verlangt aber Hosting, Erweiterungen und Wartung. Wer wenig technische Betreuung hat, fährt mit einem gehosteten System meist ruhiger.

Muss ich im Online Shop AGB haben?

AGB sind nicht in jedem Fall gesetzlich vorgeschrieben. Pflicht sind dagegen bestimmte Informationen vor Vertragsschluss und das Impressum. Ob und welche AGB sinnvoll sind, sollten Sie rechtlich prüfen lassen; dieser Text ist keine Rechtsberatung.

Was bedeutet „zahlungspflichtig bestellen“ im Checkout?

Nach § 312j Abs. 3 BGB muss der Bestell-Button, wenn er die Bestellung auslöst, mit nichts anderem als diesen Worten oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung beschriftet sein. Ist das nicht erfüllt, kommt der Vertrag nach Abs. 4 nicht zustande.

Gilt das Widerrufsrecht für alle Waren im Online Shop?

Grundsätzlich haben Verbraucher bei Fernabsatzverträgen ein Widerrufsrecht. § 312g Abs. 2 BGB nennt Ausnahmen, etwa nach Kundenwunsch gefertigte oder schnell verderbliche Waren. Welche Ausnahme für Ihr Sortiment gilt, sollten Sie im Einzelfall prüfen lassen.

Quellen

  1. § 312j BGB – Besondere Pflichten im elektronischen Geschäftsverkehr Gesetze im Internet (Bundesministerium der Justiz) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  2. § 312g BGB – Widerrufsrecht Gesetze im Internet (Bundesministerium der Justiz) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  3. § 3, § 4 und § 6 PAngV – Gesamtpreis, Grundpreis, Fernabsatz Gesetze im Internet (Bundesministerium der Justiz) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  4. § 5 DDG – Allgemeine Informationspflichten (Impressum) Gesetze im Internet (Bundesministerium der Justiz) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  5. Shopify Preise (Deutschland) Shopify · abgerufen am 28. Oktober 2026
  6. WooCommerce Pricing WooCommerce (Automattic) · abgerufen am 28. Oktober 2026

So ist dieser Beitrag entstanden

Gesetzestexte (§§ 312g, 312j BGB, PAngV, DDG) sowie die Preisseiten von Shopify und WooCommerce wurden am 28.10.2026 geöffnet. Da die Shopify-Seite beim Abruf Preise in einer für Deutschland unpassenden Währung zeigte, nennt dieser Text keine Beträge. Rechtliche Hinweise sind allgemein gehalten.

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